Filzstift-Tag (schwarz)
9. September 2007 von ChristianSeinen Namen trug Dylan James nicht ohne Grund. In eine deutsch-amerikanische Familie geboren, deren Glück und Unglück seit jeher in der magischen Anziehung von Gegensätzlichkeiten lag, benannte ihn seine Mutter Maria nach dem einzigen Helden, den sie kannte: Bob Dylan. Der Kindesvater ihrer Wahl, der Amerikaner Henry F. James, hatte in dieser Angelegenheit kein Mitspracherecht. „Er trägt schon deinen Nachnamen“, war Marias einziges, aber unumstößliches Argument, die Wahl des Vornamens für sich – und Bob Dylan – zu beanspruchen. Dass Henry mit dem Vornamen Dylan unzufrieden war, brachte insofern eine nicht als gering zu wertende Konfusion in das junge Leben des Dylan James, da Henry seinen Sohn von Beginn an beim Nachnamen James rief (an guten Tagen auch Jimmy), seine Mutter dagegen beim Vornamen Dylan blieb (an guten Tagen auch Bobby, was bei Henry stets auf stillschweigenden Unmut stieß). Doch sollte es das Schicksal des Dylan James seinem Namen getreu mit sich bringen, von der Musik Bob Dylans gleichermaßen geprägt zu werden wie durch die Taten seines Vaters, genauer gesagt, durch dessen Verschwinden.
Maria Blatzheim lernte Henry F. James recht früh in ihrem Leben kennen. Sie war gerade siebzehn, als sie als Ein-Frau-Demonstration vor der U.S. Airbase in ihrem Heimatort Spangdahlem, mitten in der westdeutschen Provinz und nahe der Luxemburgischen Grenze, gegen den Vietnamkrieg im Speziellen und die Amerikaner im Gesamten protestierte. Sie spielte frühe Bob Dylan Songs auf ihrer Gitarre; Protestsongs, seit jeher die bevorzugten Waffen ihrer Wahl. Zwar kämpfte sie heute alleine, spielte dafür umso lauter und überzeugter, als ob es denn einen Unterschied gemacht oder nur irgendwen interessiert hätte. Doch das war ihr Punkt, für sie machte es einen Unterschied. Henry war gerade auf dem Heimweg zum Flugplatz, als er Maria vor den Toren sitzen sah. Er sah ein Hippie-Mädchen mit vor sich ausgestreuten Blumen und einer Gitarre im Arm, die sie nach jedem Song beiseite legte, um demonstrativ auf den ausgestreuten Blumen herumzutrampeln. Anschließend hielt sie mit starrer Miene ein Plakat hoch, auf das sie mit schwarzem Filzstift die Worte „Soldaten sind Mörder“ geschrieben hatte.
Ein Frauenheld war Henry immer gewesen, durchaus selbstverliebt und sicher nicht nur im Auftreten, sondern auch in dem Bewusstsein, in seiner Uniform außergewöhnlich attraktiv zu wirken. Als er schließlich auf Maria zuging, begann sie noch lauter zu singen und zu spielen, über Governors und Congressmen und darüber, was alles schief läuft in diesem Krieg und in den USA. Sie starrte Henry an. Er war fasziniert von dieser zierlichen Person, die schließlich aufhörte zu spielen, sich aber erst erhob, als Henry direkt vor ihr stand, beide Hände in den Hosentaschen. „You like Bob Dylan?“, fragte er in gewohnt autoritärer Stimmlage, in der stets gerade so viel Ironie mitschwang, dass sein Gegenüber nie genau wusste, wie ernst Henry das soeben Gesagte wirklich meinte. Maria blickte ihn lange an. Sie blinzelte kurz, aber kein Wort fiel. Sie ging um ihn herum, musterte ihn vom Scheitel bis zur Sohle und blickte ihn skeptisch an. „So, you like Bob Dylan?“, wiederholte Henry, der aus diesem Hippie-Mädchen nicht recht schlau wurde. Schließlich legte Maria den Kopf zur Seite und sagte ruhig, aber bestimmt: „Yes, I do“. Und schwieg ihn an. Maria Blatzheim und Henry F. James heirateten drei Jahre später, das Ja-Wort gab sie ihm jedoch beim ersten Treffen.
Dylan James war gerade sieben Jahre alt, als sein Vater das Weite suchte. Was die einst so große Liebe zwischen seinen Eltern zerstörte, hat ihm seine Mutter nie erzählt. Der Rufname James (oder auch Jimmy), mit dem Henry seinen Sohn rief, wurde völlig aus dem Haus verbannt. Dylan James hieß nach dem Verschwinden seines Vaters nur noch Bobby, fast so, als sei dies eine späte Rache seiner Mutter an seinem Vater. Die Vormittage verbrachte Bobby in der Schule, einer deutschen Grundschule im Ort, in der er so behandelt wurde, wie er sich gab; als Außenseiter. An einsamen Nachmittagen saß er oft stundenlang bei seiner Mutter im Wohnzimmer und hörte Bob Dylan-Alben. Er liebte die eigenartige, nasale Stimme Bob Dylans und dass er nicht so sang, wie alle anderen. Nicht unbedingt eine schöne Stimme, gewiss nicht perfekt im Vortrag, doch war sie stets um eine Aussage bemüht. Dass Bobby diese Aussagen oft nicht verstand, war ihm nur ein zusätzlicher Anreiz. Für den Jungen hatten sie etwas Mystisches, wie ein Geheimnis, das es zu lüften galt. Die Musik seines Namenspatrons sollte auf ewig ein Mysterium für Bobby bleiben, selbst als er schließlich eine lebendige Philosophie entwickelte, in die er seinen Ersatzvater bettete.
Bobby und seine Mutter lebten von dem Geld, das ihnen Henry schickte. Er war zwar verschwunden, doch das Geld kam regelmäßig jeden Monat – oft mit einem Brief, stets adressiert an Jimmy. Bobby las die Briefe seines Vaters nie. Er bewahrte sie alle auf, doch er wollte sie nicht lesen. Er wollte die Erklärungen seines Vaters nicht hören und nicht wissen, warum er gegangen war. Für ihn stand fest, dass er fort war, und mehr zählte für ihn nicht. Auch Maria machte keinerlei Anstalten, sich selbst und ihren Sohn mit dem Verschwinden ihres Mannes zu konfrontieren. Sie zog sich dorthin zurück, wo sie sich am wohlsten fühlte: ins Wohnzimmer, auf den Sessel direkt neben dem alten Plattenspieler.
Es war Anfang der 90er Jahre, als Bobby in der Schule die Musik von Nirvana kennen lernte. Kurt Cobain wuchs zum Held seiner Mitschüler und ließ auch Bobby nicht unberührt. Er hatte einen neuen Helden. Bob Dylan sei zwar der Held seiner Mutter, dachte er sich, doch nicht unbedingt seiner. Maria brach dies zwar das Herz, doch zu einem denkbar günstigen Zeitpunkt. Sie hatte seit sechs Wochen das Haus nicht verlassen, und machte keinerlei Anstalten, dies bald zu ändern. Doch dass sie an diesem Morgen mit dem unverkennbaren Gitarrenpart aus Smells Like Teen Spirit geweckt wurde, rettete ihr nicht nur den Tag, sondern wahrscheinlich das Jahr. Zwar wurde im Hause James nicht nur Bob Dylan gehört, vielleicht gerade achtzig oder neunzig Prozent der Zeit, und Maria wusste, dass einst der Tag kommen würde, an dem sich ihr Sohn gegen sie und Bob Dylan auflehnen würde. Doch darauf vorbereitet war sie noch lange nicht. Erst recht nicht, als sie an diesem Morgen von einer ihr unbekannten Band geweckt wurde, die ungleich lauter war, und von Bobby auch lauter gespielt wurde, als ihr Bob Dylan. Sie wusste, dass der Tag gekommen war, an dem sich ihr Sohn in die Welt hinaus verabschiedet hatte. Dies bestätigte sich ihr auch durch die Tatsache, dass sich ihr elfjähriger Sohn die Worte I feel stupid and contagious / Here we are now, Entertain us mit schwarzem Filzstift auf die nackte Brust schrieb und auf dem Küchentisch Luftgitarre spielte und lauthals mitsang, als Maria gerade das Zimmer betrat, unsanft aufgeweckt um sechs Uhr morgens. „Bobby, Du bist elf, das ist zu früh für eine Rebellion“, sagte ausgerechnet die Frau, die einst die Protest-Gitarre schwang und auf Blumen umhertrampelte.
„Alles kotzt mich an“, schrie Bobby auf dem Küchentisch tanzend, mit schwarzem Filzstift beschriftet, während er den Teen Spirit nicht nur hörte, sondern lebte.
Der umgehenden Aufforderung, bitte schleunigst vom Küchentisch zu steigen, kam Bobby nur widerwillig nach. Er wollte nicht mehr zur Schule gehen, sich nicht mehr die Zähne putzen und endlich lernen, Gitarre zu spielen. Damit habe er schon viel zu lange gewartet, sagte er, schließlich sei er schon elf Jahre alt. Maria war recht hilflos ob der neuerlichen Geisteshaltung ihres Sohnes, die ihr nicht nur neu war, sondern völlig missfiel.
Es war an eben jenem Tag, dem Filzstift-Tag, wie Maria die Küchentisch-Episode ihres Sohnes fortan benannte, an dem sie erstmals seit Wochen wieder das Haus verließ. Sie wollte einkaufen gehen, eine Tätigkeit, die Bobby in den letzten Wochen für sie übernommen hatte. Neben dem Üblichen kaufte Maria Blumen, die sie ihrem Sohn am Nachmittag ins Zimmer stellte. Bobby war zu jung, um zu begreifen was in seiner Mutter vorging. Er verstand nie, warum sie so sehr an ihr Haus gebunden war; wie sollte er dann verstehen, warum sich dies so schlagartig wieder änderte. Seit Bobby acht Jahre alt war, war seine Mutter für ihn eine „Häuschenschnecke“, die an manchen Tagen eben gern bei ihrem Häuschen blieb. Dass sich das Häuschen dann nicht mitnehmen ließ, war für ihn eine Selbstverständlichkeit.
Später sollte Bobby zu Protokoll geben, dass sein jugendliches Nicht-Verstehen von Bob Dylans Musik zwar die Grundlage seiner Faszination dafür war, doch im Laufe seiner Jugend immer wieder entscheidend zur Abkehr davon beitrug. Wie auch zu dieser Zeit, der Nirvana-Zeit und dem Filzstift-Tag, suchte Bobby etwas, das für ihn greifbarer und direkter war, lauter und radikaler. Erst viel später sollte ihm nicht nur klar werden, wie radikal Bob Dylan seinerzeit war, sondern auch, wie radikal er, Dylan Bobby James, selbst war. Und wie sehr er seine Mutter damit beeinflusste konnte er auch nicht ahnen, sie wurde sein erster Fan.
Am 9. September 2007 um 15:53 Uhr Quote
Kinderkinder. Die Wochen fliegen.
Ich finds spitze, wie verschieden die letzten drei texte sind. superb.
nun:
ist es nicht eher “der einzige held, den sie hatte” als den sie “kannte”?
unrund finde ich
“Doch sollte es das Schicksal des Dylan James seinem Namen getreu mit sich bringen,”
da müsste man mal bei. das klingt nicht. sag ich.
genauso hier:”als sie an diesem Morgen von einer ihr unbekannten Band geweckt wurde, die ungleich lauter war, und von Bobby auch lauter gespielt wurde, als ihr Bob Dylan. das Komma vor “als” ist zuviel. zwei sätze draus machen, vielleicht?
und: die parallelen zwischen ihrem protest und bobbys sind wundervoll! und auch klar, deswegen finde ich, dass sätze wie “sagte ausgerechnet die Frau, die einst die Protest-Gitarre schwang und auf Blumen umhertrampelte.” einfach zuviel sind. Das Leserschaf findet das selber heraus. Und trampelt sie nicht herum statt umher?
Das grundsätzliche Problem dieses Textes, und das meine ich mit aller angemessenen Liebe, ist dass er Fragment ist und bleibt. Die häufigen Hinweise auf das, was vor und was nach der Geschichte noch passiert (z.B. “viel später erst sollte ihm klar werden”, das einsperrverhalten der Mutter, usw). Das sorgt dafür, dass “Filzstift Tag (schwarz)” (über den titel muss man noch reden) eher als Kapitel in einer großen Erzählung ist, und nicht eine eigenständige Geschichte. Allerdings würde man dem Text auch unrecht tun, wenn man alles in die Zukunft schweifen einfach weglassen würde. Zwickmühle, würde ich sagen.
Am 9. September 2007 um 16:13 Uhr Quote
John Irvingsche Chraktere treffen Chuck Klostermansche (Musik-)Anekdotenhaftigkeit. Gefällt mir ausnehmend gut und unterscheidet sich, wie Felix schon sagt, völlig von den bisherigen Texten.
Der “Tag der toten Ente” scheint es dir ja angetan zu haben, so zumindest interpretier ich den Titel.
Wie Felix denke ich, dass der Text in der Schwebe hängt zwischen einer abgeschlossenen Erzählung und dem Beginn einer größeren. Im ersten Fall wäre etwas mehr an Background gut (wie ist Dylan vor dem Tag drauf, inwiefern beeinflusst der Tag seinen Werdegang genau).
Ich muss auch ehrlich sagen, dass ich nicht ganz nachvollziehen konnte, was das Verlassen des Hauses durch die Mutter mit Dylans Rebellion zu tun hatte.
Dann würde ich mir wünschen, dass von deinem Musikverständnis mehr in den Text einfließt. Dass Bob Dylan irgendwie “mystisch” ist, ist vielleicht Dylan James’ kindlicher Eindruck, aber aus seiner Perspektive wird das ja nicht geschildert, sondern von einer Erzählfunktion, die ein ganz anderes Wissen hat, nicht zuletzt von Musik. Ich meine nicht, dass irgendwelche musikalischen Essays in den Text eingeflochten werden sollen, mich würde nur interessieren, worin der Unterschied von Dylan zu Nirwana besteht, was für Weltbilder da aufeinandertreffen.
Soviel fürs erste.
Am 10. September 2007 um 09:22 Uhr Quote
Zuerst: Gefällt mir sprachlich deutlichst – schöner „Pseudoberichtstil“! Auch ansonsten schön geworden, wie ich finde! Sehe nur ein großes (später) und ein paar kleine Probleme (der Reihe nach) … ich liste einfach mal auf, woran ich mich positiv bzw. negativ anstoße! :-)
Also …
„Doch sollte es das Schicksal des Dylan James seinem Namen getreu mit sich bringen …“
- Ich verstehe das „doch“ am Anfang des Satzes in diesem Zusammenhang nicht!
„Maria Blatzheim lernte Henry F. James recht früh in ihrem Leben kennen.“
- Das „recht früh“ wirkt für mich stilbrüchig, da es im Vergleich zum Ton des Textes, viel zu vage ist; erübrigt sich dann auch, nachdem dann gleich „Sie war gerade siebzehn …“ folgt!
„als ob es denn einen Unterschied gemacht oder nur irgendwen interessiert hätte.“
- Hier könnte man das „denn“ weglassen und wenn nicht, sollte man ein „auch“ einfügen nach „oder“ m.E.
„Doch das war ihr Punkt, für sie machte es einen Unterschied.“
- Vielleicht könnte es dienlich sein es so zu schreiben „Doch das war ihr Punkt: für sie machte es einen Unterschied.“ ; der deutlicheren Abhebung wegen!
„Toren sitzen sah. Er sah ein“
- zwei mal „sah“ zu nah (haha) aneinander!
„Für den Jungen hatten sie etwas Mystisches, wie ein Geheimnis, das es zu lüften galt.“
- Finde ich sehr schön und aussagekräftig bezüglich der Wahrnehmung des Jungen, ein bisschen floskelig wirkt nur „das es zu lüften galt“; kann aber auch so stehen bleiben.
„Für ihn stand fest, dass er fort war, und mehr zählte für ihn nicht.“
- Warum? Ein Junge der gerne Geheimnise löst, will so etwas doch erfahren, oder? Bzw. finde ich es relativ „normal“, wenn ein Junge gerade DAS wissen will – was ist der Grund für dieses – sagen wir – „Desinteresse“?
„Kurt Cobain wuchs zum Held seiner“
- Hieße es hier nicht besser „Helden“?
„Kurt Cobain wuchs zum Held seiner Mitschüler und ließ auch Bobby nicht unberührt. Er hatte einen neuen Helden. Bob Dylan sei zwar der Held seiner Mutter, dachte er sich, doch nicht unbedingt seiner.“
- Drei Helden in drei Sätzen? Gewollt? Anders möglich? Und hier finde ich „unbedingt“ etwas unpassend … vielleicht fehlt mir auch was … mit dem „unbedingt“ bin ich mir nicht sicher, sorry! :-)
„rettete ihr nicht nur den Tag, sondern wahrscheinlich das Jahr.“
- Wieso? Ich verstehe, dass sie dadurch raus geht … aber nachdem die Geschichte dann plötzlich endet, finde ich diesen Satz äußerst verwirrend!
„Zwar wurde im Hause James nicht nur Bob Dylan gehört, vielleicht gerade achtzig oder neunzig Prozent der Zeit, und Maria wusste, dass einst der Tag kommen würde, an dem sich ihr Sohn gegen sie und Bob Dylan auflehnen würde. Doch darauf vorbereitet war sie noch lange nicht.“
- Der Punkt zwischen den Sätzen ist wegen der Lesbarkeit zwar löblich, doch sollten „zwar“ und „doch“ m.E. der typischen dt. Sprache wegen, vielleicht doch in ein und dem selben Satz stehen – sie gehören irgendwie zusammen! :-)
„Sie wusste, dass der Tag gekommen war,“
- ist mir zu nah am vorvorherigen Satz „Maria wusste, dass einst der Tag kommen würde“ – eine kleine Änderung würde hier leicht Aushilfe bringen, so was wie z.B. „Der Tag war gekommen und Maria erkannte, dass …“ o.ä.
„Dies bestätigte sich ihr auch durch die Tatsache“ – klingt mir dann doch zu wissenschaftlich, funktioniert aber trotzdem! :-)
„I feel stupid and contagious / Here we are now, Entertain us mit schwarzem Filzstift auf die nackte Brust”
- absolute genial in Analogie zu “ein Plakat hoch, auf das sie mit schwarzem Filzstift die Worte „Soldaten sind Mörder“ geschrieben hatte“ – große Klasse!!!!
- ebenso wie „Luftgitarre spielte und lauthals mitsang“ im Vgl. zum vorherigen, mütterlichen Geklampfe und Gesinge! ;)
„„Bobby, Du bist elf, das ist zu früh für eine Rebellion““
- Hier musste ich sehr breit grinsen und hätte „yeah“ (©Felix) geschrieben, hätte ich den Text ausgedruckt vor mir liegen: sehr authentisch! Super!
„während er den Teen Spirit nicht nur hörte, sondern lebte.“
- ebenso begeisternd!! Überhaupt bis zum Ende des Absatz ein wahres Fest!
„wie sollte er dann verstehen, warum sich dies so schlagartig wieder änderte.“
- Das habe ich auch nicht verstanden! Sie ist doch erst einmal wieder raus gegangen, oder? *confused*
„Später sollte Bobby zu Protokoll geben“
- Ebenfalls zuuuu wissenschaftlich m.E.
„Und wie sehr er seine Mutter damit beeinflusste konnte er auch nicht ahnen, sie wurde sein erster Fan.“
- Nach „beeinflusste“ fehlt ein Komma. Da würde ich das hinter dem „ahnen“ nehmen und stattdessen einen Punkt einfügen, also etwa so:
„Und wie sehr er seine Mutter damit beeinflusste, konnte er auch nicht ahnen. Sie wurde sein erster Fan.“ – das gibt dem letzten Satz eine verdient prominentere Position!
… so viel zum Textnahen!
Dann das große Problem, dass bereits von Felix und Sven angesprochen wurde: Was ist das? Für einen einzelnen, „kurzen“ Text hat es zu viele Informationen (dabei bringe ich mich in die gegenüberliegende Ecke von Sven, wenn ich mich nicht täusche) und für einen „längeren“ Text, ist das Ende zu kurz. D.h. für mich ist dieser Text nicht geschlossen: Der Vater wäre nicht so wichtig, wenn es nur um den Filzstift-Tag an sich ginge – könnte man also getrost verkürzen, wenn es um mehr geht, dann wäre ich sehr froh über eine Fortsetzung! Bitte! Es steckt noch so viel Erzählenswertes in diesem Text (so viele offene Fragen!!), dass eine Ausarbeitung grandios und spannend wäre. Ich denke, dass es dafür kein Buch werden muss, aber einige Absätze mehr würden schon reichen. Und wenn nicht, dann würde ich den Text noch mal aufwendiger überarbeiten, den letzten Absatz evtl. komplett überdenken!
Um auf einen Punkt zu kommen: Es ist ein Fragment und zwar ein sehr gutes, weshalb ich mich über eine Ausarbeitung in eine der beiden Richtungen (kürzen / verlängern) sehr freuen würde. :-)
Sehr schön und – für alle, die jede Zeile verfolgt haben – vielen Dank für die Aufmerksamkeit! ;-)
LG
Ludwig
Am 10. September 2007 um 14:10 Uhr Quote
hey
ja eine sehr nette geschichte, gut zugänglich geschrieben.
ich mag besonders den teil mit dem am tag ihrer begenung gegebenen ja-wort.
und den teil mit dem 11jährigen rebell.
wunderbar..ich wiess nicht obs so gemeint war..aber ich musst sehr lachen über den knirps der sich mit 11 jahren nirvana texte auf die brust schreibt.
ich weiss nicht ob das so gemeint war, oder ob ich mich hier grad als völligen idioten blossstelle..aba ich fand die stelle sehr absuurd und ironisch…aba das mag ich.
ich lese ein bisschen nick hornby heraus..
wa smich ein bisschen verwirrte war die formulierung “Maria brach dies zwar das Herz, doch zu einem denkbar günstigen Zeitpunkt. Sie hatte seit sechs Wochen das Haus nicht verlassen, und machte keinerlei Anstalten, dies bald zu ändern.”
da musste ich dreimal drüberlesen und hab snoch imme rnicht begriffen..auch die sätze danch holpern ein bisschne finde ich….aba es klärt sich natürlcih auf….für meinen geschmack ein wenig zu unrund die stelle..
jap.weitermachen..bitte :)
lg flo
Am 10. September 2007 um 14:56 Uhr Quote
die frage, die ich wirklich quält ist, ob der Ludwig danach ins Bet gegangen ist. Bis um 6 war nämlich bei mir kaffeetrinken.
und trotz (der wegen) der frühen Stunde hat der Herr mal wieder recht, finde ich. und zwar eigentlich immer.
ausser bei “„Später sollte Bobby zu Protokoll geben“
- Ebenfalls zuuuu wissenschaftlich m.E.”, denn das stört mich zwar, weil es wieder in die Zukunft zeigt und deswegen der Geschlossenheit des Textes im wege steht, allerdings eröffnet dieses “zu protokoll geben” (das m.E nicht wissenschaftlich, sondern journalistisch/kriminalistisch konnotiert ist) die Möglichkeit, in sein späteres Leben zu schauen.
Was macht er später? wie wichtig war der Teen Spirit? Punkrock/Schicksal? Warm zu Protokoll geben? wird er berühmt? kriminell? Musiker? Ich will das wissen.
Deswegen: mehr!
Am 10. September 2007 um 16:38 Uhr Quote
Um den Felix nicht weiter zu quälen: Ich konnte gegen 10:00 Uhr schlafen und bin dann um 13:00 Uhr aufgestanden! ;)
Wegen dem Bobby… – stimmt.. es ist nicht zu wissenschaftlich: Es ist eher wegen dem “warum”, also warum gibt er das, in welcher Form zu Protokoll. Hat er das in sein Tagebuch geschrieben? Hat er als berühmter Rockstar bei einem Interview soetwas gesagt? *g* Oder wurde es sonst irgendwie niedergeschrieben (und zwar nicht vom vorherrschenden Erzähler!)? Das ist wohl eher das Verwirrende daran!
Ich bleibe auch beim Mehr bzw. Weniger, aber dann geschlossener.
(Nochmal kurz zur “Aufklärung”: mit geschlossen meine ich nicht, dass eine Geschichte ein geschlossenes Ende haben muss – nein, das Ende darf durchaus offen sein, aber der Text sollte m.E. in sich geschlossen sein… – nicht, dass ich falsch verstanden werde!)
So. Ich bin schauend vorwärts zu einer Überarbeitung der Geschichte.
Vielen Dank
Ludwig
Am 10. September 2007 um 20:32 Uhr Quote
Vorweg: Wow, muchos Feedback! Ich musste erstmal einen halben Tag meine Gedanken sortieren.
Dann: Viel Wahres dabei, allem voran natürlich dass der Text in der Tat ein Fragment ist. Hier liegt ein Stapel Ideen in der Kiste, wie das ganze weitergehen soll oder kann, sofern ich denn Lust habe, dass es weitergeht (es existiert auch ein Filzstift-Tag in rot, aber der besteht aus zwei Zeilen, egal). Dem entsprechend soll der Text auch nicht in sich geschlossen sein. Er ist gewissermaßen ein Test, weil ich sehen wollte ob die Ideen was hergeben.
Und Läscherino, das mit dem „Tag der toten Ente“ trifft vollends. Ursprünglich hieß der Text „Der Tag des schwarzen Filzstift“, das fanden aber gewisse Herren (*hust* Dietlinger *hust*) grammatikalisch zu falsch. Mit Recht, weshalb der Titel wie auch der Text und die Namen der Figuren (die jetzt zum vierten Mal geändert wurden), absolut work-in-progress sind, hehe
Zum Verlassen des Hauses: Muss zugeben, dass ich Marias Depression zehn Minuten vor Veröffentlichung raus geschrieben hatte, weil es einfach zu viel war. Ansätze sind geblieben, was in unbeabsichtigter Verwirrung auf Leserseite resultierte, auch weil dadurch gewisse Formulierungen zu holprig gerieten. Werde dran arbeiten!
Und Ludwig hat meinen Text glaub ich genauer gelesen als ich.
Besonders Dinge wie das hier:
Christian wrote:
Ich war einfach zu nah dran das zu sehen. Da muss eine Erklärung zu.
Auch einiges andere sehr hilfreich! Danke für die Mühe!
Und Flo,
Christian wrote:
selbstverständlich war das so gemeint!
Also ich werte den Test als gelungen, vielleicht schreib ich sogar weiter hehe
Am 14. September 2007 um 11:42 Uhr Quote
Christian wrote:
Experiment geglückt, kann ich da nur sagen. Der Text besticht durch lebendige Szenen (z.B.: “Yes, I do.”-Passage), hat ein paar holprige Stellen (auf die dich Ludwig und Felix schon hingewiesen haben) und lässt auch einiges offen. Ich denke mir, dass sich die Unklarheit über das Verschwinden des Vaters und des Daheimbleibens bzw. der Depression der Mutter durch zwei zusätzliche Szenen beheben lassen.
Leider muss ich schon wieder weg – Theaterspielen ist echt eines der zeitraubendsten Dinge überhaupt … Vielleicht sehen wir uns heute Abend, dann kann ich dir Weiteres zu deinem Text sagen.
lg,
Markus
Am 15. September 2007 um 01:33 Uhr Quote
Ok, Theateraufführung ist vorbei, Verstand ist wieder klar …
Hier ein paar Textstellen, die mir für etwaige Änderungen aufgefallen sind:
„Doch sollte es das Schicksal des Dylan James seinem Namen getreu mit sich bringen, von der Musik Bob Dylans gleichermaßen geprägt zu werden wie durch die Taten seines Vaters, genauer gesagt, durch dessen Verschwinden.“
Hier würde ich (wie Felix) sagen, dass du da noch mal drüber musst. Zu viel und zu kompliziert.
„… gegen den Vietnamkrieg im Speziellen und die Amerikaner im Gesamten protestierte.“
Das ist jetzt Wortklauberei der penibelsten Art, aber trotz der schönen Formulierung muss ich sagen, dass sie nicht „gegen die Amerikaner im Gesamten“, sondern gegen die „US-Armee im Gesamten“ protestiert. Wenn sie „gegen die Amerikaner im Gesamten“ protestiert, schließt das Bob Dylan samt US-Protestbewegung mit ein.
Ok, wir alle sagen heute auch noch „diese verdammten Amerikaner“, obwohl wir nur die Bürger der Vereinigten Staaten meinen und damit auch nur eine bestimmte ideologische und religiöse Schicht, aber ich bin beim zweiten Lesen drüber gestolpert.
„Anschließend hielt sie mit starrer Miene ein Plakat hoch, auf das sie mit schwarzem Filzstift die Worte „Soldaten sind Mörder“ geschrieben hatte.“
Warum auf Deutsch? Wenn das Schild Englisch wäre, hättest du noch eine weitere Parallele zur Filzstift-Botschaft des Jungen.
„Die Vormittage verbrachte Bobby in der Schule, einer deutschen Grundschule im Ort, in der er so behandelt wurde, wie er sich gab; als Außenseiter.“
Ich hätte einen Gedankenstrich zwischen „wie er sich gab“ und „Außenseiter“ gesetzt. Zeichensetzung ist bei mir aber so eine Gefühlssache. Strichpunkt hätte ich nur gesetzt, wenn noch eine längere Passage gefolgt wäre.
„Es war Anfang der 90er Jahre, als Bobby in der Schule die Musik von Nirvana kennen lernte.“
Wie genau funktioniert das zeitlich?
Erste Annahme: Der Vietnamkrieg war für die USA im März 1973 vorbei – drei Jahre nach ihrem ersten Treffen haben Maria und Henry geheiratet, also sagen wir im März 1976. (Wenn wir annehmen, dass sie sich genau vor Kriegsende getroffen haben.) Nehmen wir weiters an, dass Dylan im Dezember 1976 geboren wurde. Henry hat seine Familie verlassen, als Dylan sieben Jahre alt war, also Ende 1983. Ende 1991 erschien „Nevermind“, d.h. Dylan/Bobby muss 14 oder 15 Jahre alt sein, wenn er „Smells Like Teen Spirit“ zum ersten Mal hört, aber nicht 11.
Gott, was bin ich nur für ein Klugscheißer …
Zweite Annahme: Wenn die Ehe zwischen 1976 und 1980 kinderlos blieb, und Dylan erst dann gezeugt wurde, funktioniert das Ganze wieder. Nur sind Maria und Henry dann insgesamt 14 Jahre zusammen. Aus der jetzigen Fassung lese ich heraus, dass Henry ein Frauenheld ist, und einfach mit der nächstbesten abgehauen ist. Mir kommt es dann etwas komisch vor, wenn er so lange Ehemann bleibt, obwohl es kein Kind gibt, wegen dem er sich zusammenreißt.
Der letzte Punkt dazu – warum ich überhaupt so viel Zeit darauf verwendet habe: Vietnam-Krieg und Nirvana liegen für mich zu weit auseinander, als dass Maria einen 11-jährigen Sohn haben könnte. Ich mag die Idee mit dem 11 Jahre alten Rebellen und du kannst es auch so belassen, denn es lässt sich als richtig darstellen (siehe Zweite Annahme), nur wollte ich dir zeigen, dass vielleicht irgendwann ein Leser-Spinner daherkommt, der dir die zeitliche Abfolge vorrechnet.
Das waren jetzt alles kleinste Kleinigkeiten. Ich denke, du solltest diese “About a Boy”-Hommage auf jeden Fall aufpolieren.
Verbeugung und gute Nacht,
Markus
Am 15. September 2007 um 15:33 Uhr Quote
Christian wrote:
Naja, damit läge er dann genauso falsch wie du. Vom Text werden nur die Informationen gegeben, dass Bobby zu Nevermind (1991) elf Jahre alt war, also ist er ziemlich sicher Jahrgang 80, und dass seine Eltern drei Jahre nach ihrer ersten Begegnung geheiratet haben – also spätestens 1976. Dritte Info ist, dass Bobby 7 war, als sein Vater verschwand – also 1987. Ich seh die von dir genannten 14 Jahre nicht, die Maria und Henry hätte zusammen sein sollen. Das ist vielleicht die Zeitspanne, die sie sich kennen, von “zusammen” ist allerdings nirgends die Rede.
und:
Christian wrote:
Interpretation ist zwar dein gutes Recht, allerdings könntest du damit nicht verkehrter liegen. Um mal die Gegenseite der Interpretation zu nennen: Wenn ein Frauenheld überhaupt heiratet, ist das wohl ein Zeichen dafür, dass er sich wirklich verliebt hat. Und dass er sich durch ein Kind nicht davon abhalten lässt, zu verschwinden, beweist er ja später selbst. Ergo: Seine Charaktereigenschaft als Frauenheld hat wohl nichts damit zu tun, dass er seine Familie verließ.
Ich sehe mit der Zeit also kein Problem, auch find ich vier kinerlose Jahre in einer Ehe nicht ungewöhnlich…
Am 17. September 2007 um 01:56 Uhr Quote
Was ist passiert?
Ist nicht schon Sonntag, bzw. inzwischen bereits Montag??
Mehr Stoff!!! Meeeehr! ;)
LG
Am 17. September 2007 um 02:32 Uhr Quote
Ich hab’s verbockt. Sorry. ;)
Am 17. September 2007 um 15:22 Uhr Quote
Christian wrote:
Dann hab ich nichts gesagt … :-)