Erntezeit
2. September 2007 von FelixEs schien ihm, als ob der Atem sie verließe, ihr Griff um seine Hand wurde schwächer. Sie ließ los. Schon schien jeder Atemzug erkämpft, ihr Atem wurde schwächer und schrumpfte langsam mehr und mehr.
Auch sie schrumpfte in ihrem Bett, er sah es ganz genau. Ein Schatten legte sich über ihre Augen, die milchig schienen und schon blind waren. Aus dunklen Höhlen starrten sie blind in die Ferne.
Dann aber bäumte sie sich auf, ihr Körper entspannte sich, ihr Gesicht zeugte von Frieden und unerklärlicher Hoffnung, sie atmete tief ein, tief aus. Das matte gelbgrau ihrer Haut gewann rosige Jugend. Dann sprach sie, mit fester, dünner Stimme, deren Schall nicht ihr Atem, sondern ihr purer Wille trug: „Ich sehe es vor mir. Siehst du es auch?“
Er erschrak, hätte ihr diese Kraft, diese Überzeugung nicht zugetraut, wusste nicht, was sagen, er hätte sie doch schon gehen lassen, er hätte „Marie…“ gesagt und gewartet auf ihren letzten Atemzug. Er wusste nicht, was sie sah, bebend brach seine Stimme: „Natürlich, klar, ich seh‘ es auch.“
Ihre Stimme, immer noch stark, hob wieder an: „Es sieht schön aus, unser Haus. Ich mag diese Klippe, siehst du das Meer, das dort hinten am Horizont zum Himmel wird? Ich sehe es, an klaren Tagen. Es ist beinahe fern, um es zu riechen, aber ich rieche, wenn Delphine springen und höre, wenn eine Wälin ihr Kalb stillt. Die Wände unseres Hauses, sie sind weiß gekalkt, es wächst Wein an der Südseite. Die Trauben sind süß im Herbst, wenn der Wind unnachgiebig wird und des Sommers Wärme Richtung Süden verweht, und wir in der Nacht das Feuer anzünden müssen um uns zu wärmen. Die Trauben sind süß, und reichen für uns beide.“
Er log: „Ich sehe es auch“
„Und wir sitzen und erinnern uns an eine jener Herbstnächte, in der das Holz knapp war, in der wir unser einziges Buch verbrannten. Denn wer braucht denn Bücher, wir haben uns. Ich will nur die Geschichten hören, die du mir erzählst, in denen ich die Heldin bin, in denen ich, mit Milde, Drachen befriede. Siegreich sanft. Die stärksten Drachen.“
„Ich höre uns schon.“
„Ich weiß, das wird uns reichen. Unsere Nachbarn haben genug, sie bringen uns meersalziges Brot, wir tunken es in blattgrünglänzendes Öl. Es ist einfaches Essen aber es schmeckt uns und wir können es bei uns behalten. Wir brauchen nicht mehr, denn es ist gutes Brot. Die Nachbarn haben genug, sie bringen uns Wein, sie teilen, was sie haben. Und unsere Trauben sind süß und reichen für uns beide.
Und wenn im heißen Sommer der Sturm kommt und Sand aus der fernen Wüste zu uns trägt und für Tage den Horizont verhängt, dann waschen wir uns gegenseitig in der Quelle, die sich laut flüsternd hinter unserem Haus von der Klippe stürzt, und unsere Zähne knirschen dann nicht mehr, denn das kalte Nass spült fort, was der Wind uns bringt. Spürst du es?“
Schwer schluckend, er: „Wie könnte ich nicht.“
„Wir haben keinen Spiegel. Wir brauchen keinen Spiegel. Denn du sagst mir, ‚Marie, deine Augen sind blau wie das Meer‘, und ich glaube dir, und du sagst, ‘du bist schön, Marie‘ und ich weiß, dass ich schön bin. Und du flechtest meine langen Haare, ich habe schöne Haare, und ich lerne Gitarre spielen und ich schreibe dir ein Lied, ich höre es schon in mir, es hat nur eine Zeile, „Ich glaub an dich“ und ich höre die Melodie jetzt schon in mir, es ist unser Lied und ich singe es dir vor, jeden Tag, und es wird genug für uns sein.
Wenn ich etwas wissen will, dann erklärst du es mir, du schreibst mit roter Kreide auf unsere weisse Wand und ich glaube, was du mir erklärst. Ich glaube dir, lerne von dir und der Regen schwemmt die Kreide fort und ich glaube dir.
Ich sehe es vor mir. Wenn die Sonne fern und lange im Meer versinkt, dann legen wir uns in unsere Hängematte, sie ist groß genug für uns beide, wir haben sie selbst geknüpft aus unseren Kleidern, die wir abgelegt haben, wir sehen uns und wir brauchen sie nicht mehr, der Sommer ist warm und wir sind nackt, und wir schlafen aneinander und der Wind rauscht in unseren zwei Bäumen. Es sind Olivenbäume, einer ist dein Baum und einer meiner, und dazwischen hängen wir, Nacht für Nacht. In mir ist nur die Sonne und das Essen, dass so einfach ist und doch so gut, so einfach und gut, in mir bist nur du, keine Schläuche, Tropfe. Gift, das mich heilen soll aber langsam tötet, nur noch du. Ich sehe es genau, ich sehe es genau, und ich frage dich, ob ich schön bin, und du sagst anfangs noch ‘ja, du bist schön, Marie‘, dann aber erfindest du ein neues Wort, und das ist unser Wort, es wächst zur Sprache, bald, und dann reden wir nicht mehr, unsere Blicke werden genügen, und ich singe dir ein Lied, das hat nur eine Zeile „Ich glaub an dich“ und irgendwann verbrennen wir die Gitarre, denn sie wärmt auch so, der Wind trägt ihre Asche fort und ich singe mit meinen Augen, und du hörst es und du singst mit.“
„Ich höre mein Lied in deinen Augen. Es ist unser Lied.“
Und sie atmete aus und war tot. Wuchs ihr Krankenbett um sie herum oder schrumpfte sie? Sie wurde wieder Kind; so klein und verloren und tot.
Sich ihres Todes voll bewusst, redete er murmelnd weiter: „Ich höre dich schon singen, Marie, ich schmecke schon das Salz, im Brot und in der Luft. Deine Lippen glänzen, wenn du das Brot in Öl tunkst, und ihr Glanz spiegelt die Sonne, sie geht unter, wir essen und deine Lippen glänzen. Du bist stark, Marie, deine Haare sind lang und wehen, der Wind bläst immer so, dass er von vorne kommt, sanft streicht er dir die Haare aus dem Gesicht, du bist stark und deine Rippen lassen sich nicht erahnen; du bist stark und gesund, nur du in deinem Körper und ich – kein Fremdling, der sich an dir labt und dich so tötet. Ich vergehe in dir und wenn meine Augen flüstern, dass du schön bist, dann glaubst du mir. Zu unserem Haus führt ein Weg hinauf, er ist gewunden und auf ihm steht das Gras kniehoch, auf diesem Weg wachsen Kräuter, die ich dir zum Kranz flechte, Marie, an ihnen riechen wir und wir reiben uns mit ihnen ein, und kochen Tee und würzen unser Öl damit, es ist so einfach, es ist so gut. Und du singst mit deinen Blicken, und ich zeichne auf unserer Hauswand, unsere Nachbarn haben genug, sie teilen, was sie haben, und wir knüpfen aus unseren Kleidern eine Hängematte. Ich sehe es, Marie, ich sehe es, du bist schön, Marie, du bist nackt und du bist schön, Marie, du bist wunderschön und deine Augen sind so blau wie das Meer.“
Er schloss ihr die Augen, stand auf und streifte mit seinen spröden Lippen kaum ihr kahles Haupt. Der Tumor hatte sein eines Auge längst durchstochen, mit dem anderen aber verstand er, dass ihre Schönheit schon weitergezogen war und auf ihn wartete. Er drückte sich schwerfällig aus seinem Sessel, raffte den Bademantel um seine dünnen Schultern und verließ auf seinen Transfusionsständer gestützt den Raum.
In der Tür entfuhr ihm leise: „Sind die Trauben schon süß, Marie?“
Am 2. September 2007 um 16:49 Uhr Quote
Ich weiss – ganz ehrlich – nicht genau, was ich sagen soll… aber ich versuch’s.
Ich bin von der Tiefe der Geschichte mehr als beeindruckt. Ich hab sie jetzt 3 x gelesen. Du beschreibst die Szenen mit Liebe zum Detail und sehr eindringlich. Das geht unter die Haut. Mir ist aufgefallen, dass sich einige Satzteile häufig wiederholen… ich hab’ keine Ahnung ob das ein Stilmittel ist… aber falls doch, dann war es gut gewählt. Ihre letzten Worte und auch seine Gefühle im Angesicht ihres (nahenden) Todes werden dadurch noch intensiver übermittelt. Zu der ganzen Tragik der schwerkranken Protagonisten kommt so eine bitterschwere Leichtigkeit – Marie will unbedingt nochmal die schönen Erinnerungen ins Gedächtnis rufen… wehmütig zwar… aber eben voller Liebe. Sehr ergreifend…
Felix – mein ganz grosses Kompliment! Danke, dass Du mich auf die Seite und auf eine andere Seite von Dir (!) aufmerksam gemacht hast. Ich werd bestimmt wieder vorbeischauen. Du hast mich neugierig gemacht.
Man liest sich – hier oder auf youtube!
Diana :)
Am 2. September 2007 um 17:48 Uhr Quote
Wunderschöne Bilder, die von Ruhe, Genügsamkeit und bedingungslosem Vertrauen sprechen und deren Anflug von Kitsch beim zweiten Lesen fast völlig verfliegt. Schön und rhythmisch auch die Verteilung der Sprechakte. Besonders gelungen ist der Schluss, in dem Maries Gegenüber ihre Traumsequenz fortsetzt und dabei nicht unterscheidet zwischen dem Leben vor und nach dem Tod. Ein schöner Tod, der von so viel Ausgeglichenheit zeugt und nur als eine Station im Leben des kranken Paares steht. Tolle Geschichte, bitte mehr davon!
Am 3. September 2007 um 01:53 Uhr Quote
Ein sehr, sehr sinnlicher Text.
Aus irgendeinem Grund kam mir nach eins, zwei Sätzen der Gedanke, ich müsste ihn mir laut vorlesen. Ich denke, das war eine gute Idee.
Den analytischen Blick habe ich nur für die ersten Absätze aufsetzen können, müsste also den Text nochmal genauer durchgehen, aber dafür bin ich noch nicht bereit.
Zu Beginn fallen, wie schon von Diana erwähnt, Wiederholungen auf, z.B. auf den ersten zwei Zeilen 3x “Atem”, 2x “blind” im nächsten Absatz. Solche Wiederholungen sind ein Verstoß gegen Regeln der Stilistik. Und mit der Stilistik ist es wie mit der atonalen Musik oder der abstrakten Malerei: Verstöße gegen die Konvention kann sich nur erlauben, wer das Handwerk beherrscht, aber über es hinaus geht. Das Beispiel zeigt im Kleinen, was den Text auch im Großen ausmacht. Das Thema birgt einfach eine enorme Gefahr, in den tiefsten Kitsch abzurutschen, wie auch Nina bereits festgestellt hat. Die Geschichte kann halt nur erzählen, wer’s kann, und der Autor kann.
Weitere Verstöße und Highlights:
“ihr Atem wurde schwächer und schrumpfte langsam mehr und mehr.” – mehr schrumpfen, wie “zunehmend kleiner werden” (beispiel, ist nicht im text), eigentlich Hinweis auf Bildschlamperei, fungiert aber ausgesprochen gut als Aufmerksamkeitssignal. Ebenso: “Dann sprach sie mit fester, dünner Stimme” – schwarze Milch der Frühe … “fest” und “dünn” schließen sich in Bezug auf Stimmen eigentlich aus, der Konstrast zwischen hinfälligem Körper und starkem Willen wird so sehr gelungen und subtil transportiert.
Eine Frage: “Es ist beinahe fern, um es zu riechen”: “zu” vergessen oder Absicht?
Wie gesagt, ab nun setzte die Überwältigung ein, gehe nochmal genauer durch den ganzen Text, aber nicht mehr heute Nacht.
Zweimal toll: Der Text und auch, dass wir schon jetzt Kommentare von “außen” haben. Gute Nacht.
Am 3. September 2007 um 11:05 Uhr Quote
Ich mag: Den Stil! Die Informationsvergabe! Wurde noch nicht genannt, aber ich finds recht großartig, wie nach und nach mehr Informationen gegeben werden – vom Ins Geschehen springen bis zum Aufholen des Informationsrückstand auf Leserseite. Bis dahin gibts wunderbare Bilder en masse. Nur muss ich auch sagen, die waren für mich insgesamt einfach zuviel. Ein paar Bilder weniger, die dafür weiter ausgeführt hätten mir eigentlich besser gefallen (greift auch ein bißchen die “Fountain” Idee auf: wo wären wir wenn wir woanders wären), wobei man da natürlich Gefahr läuft, diese (ich denke) beabsichtigte Bilderflut ins Nirvana zu schicken
Dennoch, Beispiel:
Christian wrote:
Ich denke auf die kalbstillende Wälin könnte man eventuell verzichten. Läscher hat die Stelle ja schon angesprochen, ich find das klingt irgendwie unrund (”riechen wie Delphine springen” ?)
Was die sprachlichen Bilder angeht nicht so ganz mein Fall, aber alles in allem ein sehr konsequenter und stilsicherer und überaus lesbarer Text. Auch ein absoluter Vorlesetext, Läscher hats schon gesagt. Und für der Damenwelt scheint er wohl noch besser zu funktionieren wie’s scheint
Soviel fürs Erste!
Am 4. September 2007 um 09:53 Uhr Quote
Kompliment. Wirklich ein überaus lesbarer Text, wie Christian sagt. Besonders mag ich die Stelle, wie sie sich aus ihren Kleidern eine Hängematte knüpfen und den Schluss finde ich auch gut. Wie dann das ihre in ihm weiterspricht od. einen Platz zu finden scheint.
Hin und wieder gabs paar Wiederholungen od. wie auch Christian sagt, zusehr ins Detail beschriebene Stellen.
Trotzdem driftet man in eine Traumwelt nach diesem Text…
Bin schon auf weiteres gespannt.
Danke und chapeau!
Am 4. September 2007 um 12:00 Uhr Quote
eine irrsinnig schöne liebeserklärung!
weiter so felix!
Am 5. September 2007 um 01:25 Uhr Quote
Hier nun Kommentare meinerseits:
Sven: Atem ist einmal zu oft! Hasse rescht!
Bei „blind“ bin ich mir aber nicht so sicher, ob die Wiederholung ein Problem ist, immerhin ist ihre Blindheit ja ein wichtiger Kontrast zur farbenfrohen Klarheit ihres Traumes.
„mehr schrumpfen“ war Absicht, auch wenn man die Widersprüchlichkeit der ganzen Szene vielleicht noch mehr herausarbeiten könnte/ sollte. Ideen dazu?
Ähnlich ist es mit „fester, dünner stimme“. Da wollte ich einen Kontrast erzeugen zwischen der körperlichen Schwäche und der Willenstärke. Die Stimme klingt zwar dünn, ist aber wegen der Dringlichkeit doch fest. Das hast du ja auch mitgekriegt und deswegen freut mich das!
Christian! Die Bilderflut ist Absicht, klar. Und eigentlich (Entzauberung der Autorschaft galore) dient die ganze Handlung und die Situation der Charaktere nur dazu, diese Bilderflut zuzulassen. Und die Menge der Bilder (ob man sie ausführen sollte ist fraglich: würde das nicht der Dringlichkeit im Wege stehen? Dem Drang der Marie, ihren Traum noch mitzuteilen? Diskussion, bitte!)
Mit der stillenden Wälin war ich mir von allen Bildern am unsichersten.
Problem eins: Wenn Marie sich eine paarbezogene, isolierte Welt wünscht, warum dann mit den Sinnen in die Ferne schweifen? Wäre für sie der Mikrokosmos eines Kusses (oder so) nicht genug?
Problem zwei: Dieser Traumteil geht ins irreale, und widerspricht damit eigentlich einigen ihrer anderer Träume. Anders: Braucht‘s mehr irreale Bilder? Weniger? Träumt sie von realistischen Dingen oder träumt sie einfach wild und die Realität überzeichnend/vernachlässigend?
Argument dafür: Die Stelle hebt das ganze eben zum ersten mal in eine andere Ebene, ist nicht mehr nur etwas, dass sie (gesund) haben könnte, sondern vielleicht etwas, dass sie nur im zusammenphantasierten Nachleben erreichen kann.
Was meinst denn mit sprachlichen Bildern? Die Aufzählungen, die widersprüchlichen Adjektive? Präzisieren sie! Hehe!
Dass die Damen das mögen freut mich sehr! Aber auch die Herren muss ich fragen: wie schaut‘s denn aus mit dem Kitsch? Komm ich dank der Handlung damit davon?
Frage: Soll das Krankenzimmer weiterhin so unbeschrieben bleiben? Wo fehlen noch Umrisse/ Details?
Was passiert nachdem die Geschichte vorbei ist? Ist er bereit für die Trauben oder hofft er weiter zu leben? What say you?
Der Titel: passt das?
Kinder, ich find das spitze!
Weiterdiskutieren, bitte!
Am 5. September 2007 um 12:36 Uhr Quote
Christian wrote:
Das mit der Dringlichkeit ist natürlich ein Punkt, die Frage ist nur, wie dringlich es ist. Es ist eine Geschichte, das heißt sie hätte theoretisch alle der Zeit der Welt, ihren Traum auszuführen – das dringliche ginge denk ich nicht verloren. Wie in Filmen, wo erst gestorben wird wenn die wichtigsten Sachen gesagt sind (in dem Zusammenhang find ich’s natürlich erzähltechnisch schön, dass sie schon tot ist, als er ihr antwortet).
Christian wrote:
Aufgrund der Bilderflut entsteht natürlich ein hohes Kitschpotenzial – für mich am deutlichsten in der Wälin, die ihr Kalb stillt; die brauchts für mich wirklich nicht, ist mir einfach zuviel und ohne funktionierts ja auch. Weniger wäre da mehr. Aber das ist natürlich eine Geschmacksfrage. Du kommst zwar (gerade so! hehe) damit davon, aber so wirklich mein Fall sind Bilderfluten mit Kitschpotenzial allgemein nicht. Aber wie Läscher sagte, es funktioniert: „Die Geschichte kann halt nur erzählen, wer’s kann, und der Autor kann.“
Christian wrote:
Bitte unbeschrieben lassen, das Leben ist zu kurz für Landschaftsbeschreibungen! Ich denke du willst auf den Kontrast zwischen kaltem Krankenzimmer und schöner Traumwelt hinaus, bei mir funktionierte das ganz automatisch. Auch im Zusammenhang mit der Informationsvergabe: Wenn du das Zimmer beschreiben willst, musst du es konsequenterweise irgendwo am Ende tun – und da find ich liegt der Fokus der Erzählung auf wichtigerem. Irgendwo im Nebensatz ginge es bestimmt, aber brauchts nicht wirklich.
Christian wrote:
Juhu, Interpretation! Für die Geschichte ist es zwar egal was danach passiert, aber ich sage: Trauben.
Am 5. September 2007 um 12:46 Uhr Quote
Tach!
Nun – ich habe ja schon viel über den Text verloren – nicht hier! Ich war schon das erste mal begeistert, als ich diesen Text las und bin es noch immer.
Warum dieser Text gerade für die Damenwelt interessant sein sollte, leuchtet mir allerdings nicht ein.
Kitsch: Der Kitsch in diesem Text wirkt für mich wie das Aufsetzen, das Idealisieren der Traum-, aber auch der Realwelt. Dadurch wirken eigentlich fast alle Bilder wie Masken, die in diesem Kontext allerdings derartig authentisch sind, dass ich keine Gefahr darin sehe.
Zu den Wiederholungen: Habe diese immer als absichtlich und überhaupt nicht störend empfunden. Da dieser Text wirklich “erzählt” wirkt, der Erzähler selbst sich dergestalt in den Text einfügt, dass er Teil des Geschehens ist, finde ich alle Wiederholungen berechtigt und richtig.
Kontrastprogramm: Hier gilt im Prinzip dasselbe wie für den “Kitsch” – dieser Text ist für mich dekonstruktiv – die Realität zählt nicht. Alles ist möglich. Wer kann in seinen Träumen nicht Delphine springen riechen?
Und: lasst doch die Walkuh stillen – allein das Wort “Wälin” ist es wert hier zu bleiben!
Ich finde gerade dieses “Bilder kommen und gehen” wieder perfekt für diese Situation – wirkt auf mich 100% – wenn ihr versteht! *g*
Übrigens: Das Vorlesen des Textes ist so grandios, weil er so harmonisch geschrieben ist. Er klingt wie das Lied mit nur einer Zeile… finde ich.
Ok… ich bin etwas eingenommen von dem Text. ;)
LG
Ludwig
Am 6. September 2007 um 01:30 Uhr Quote
Ich bin so frei und hangle mich an Felix’ Fragen entlang:
Felix wrote:
Kurze Antwort: Ja, kommst du.
Lange Antwort: Wenn ich mein Leseerlebnis einmal aufdrösele – Der Anfang ist sehr eindringlich, was mich zuerst dazu gebracht hat, auf Distanz zu gehen. Das liegt aber sicher auch daran, dass ich so einen emotionalen Text schon lange nicht mehr gelesen habe. (Verflucht sollt ihr sein, William Gibson und Philip K. Dick!)
Ab der Beschreibung des Hauses habe ich mich voll und ganz auf den Text eingelassen. Das lag vor allem an der ausgefeilten Sprache, der klaren Struktur und dem effektiven Schluss.
Felix wrote:
Den Transfusionsständer fand ich nach der idyllischen Bilderflut nicht nur ausreichend, sondern auch sehr effizient, um zu zeigen, dass wir uns in einem Krankenhaus befinden.
Felix wrote:
Ja, da er einerseits auf die Vergänglichkeit in der Realität anspielt und auch einen Bezug zur Traumwelt herstellt.
Felix wrote:
Trauben.
lg,
Markus
Am 6. September 2007 um 18:24 Uhr Quote
Ich denke auch Trauben, definitiv!
Am 7. September 2007 um 16:40 Uhr Quote
Wow. Toll geschrieben. So viel wurde schon gesagt, also fass ich mich kurz:
Die Kurzgeschichte ist so schön geschrieben, dass man, nachdem man den letzen Satz fertig gelesen hat, für einen Augenblick dieses “Schön-wars-nachdenk”-Gefühl hat – ich zumindest. Ich weiß nicht, ob du mich für bescheuert hältst oder weißt, was ich meine… Ist auch eigentlich egal. Den Sinn meiner Aussage verstehst du.
Ich find´s total schön, wie du mit Vergangenheit und Gegenwart arbeitest und die beiden verschmelzen lässt. Auch der Einfall mit den “süßen Trauben” als zentrales Element war echt gut.
An der Kurzgeschichte selbst ist meiner Meinung nach nichts auszusetzen, gibt sie doch deinen eigenen Schreibstil wieder. Umformulieren solltest du nur aus eigenem Antrieb, meiner Meinung nach, und nicht, wenn andere dich dazu auffordern.
Das einzige, das mir aufgefallen ist – und zwar eher unangenehm, aber vl ist das auch Geschmackssache – sind die vielen langen, durch unzählige Beistriche getrennte Sätze, besonders in Maries Beschreibungen. Ich finde, zumindest ein paar könntest du ruhig ein mal bzw. ein paar Mal teilen. Durch zu lange Aufzählungen geht irgendwie die Poesie der Worte verloren, finde ich.
Und: Ein paar wenige Rechtschreibfehler sind drinnen, z.B. dass/das
Such selbst! ;)
Ich hoffe, du konntest mit meiner Kritik was anfangen.
Total schöne Geschichte, Felix.l
Am 14. September 2007 um 10:11 Uhr Quote
Hallo Felix,
ich wollte dir nur mitteilen, dass ich deine Geschichte gelesen hab und echt beeindruckt bin. Ich hatte fast ein Traenchen(Sorry, amerikanische Tastatur…) im Auge.
Kritik bezusteuern fuehle ich mich leider nicht in der Lage, aber ich glaube, davon hast du ja schon genug gehabt.
Achja, Trauben natuerlich…
Liebste Gruesse
bErni